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Der Klarinettenbau

Für Interessierte möchte ich hier gerne eine Zusammenfassung über den Bau einer Klarinette in traditioneller handwerklicher Auführung beginnen und und Sie teilhaben lassen an der Faszination des Klarinettenbaues in der Blütezeit zwischen den Jahren1930 und 1960.

 

Heute noch sehr bekannte Firmennamen aus guten alten Zeiten von Klarinettenbauern sind beispielsweise "O.Oehler", "F.A.Uebel", "O.Neidhardt", "Wurlitzer", und einige wenige mehr, welche sich über Jahrzehnte hinweg durch gleichbleibende höchste Qualität einen Namen bei Musikern gemacht hatten. Es war eine Zeit, in welcher viele ehrgeizige Klarinettenbauer in kleinen handwerklichen Betrieben bestrebt waren immer noch besser und perfekter zu arbeiten als der Kollege neben sich oder in der anderen Firma eine Straße weiter. Ausgereift war die technische Entwicklung der deutschen Klarinette(deutsches System) bereits durch den Musiker  Oskar Oehler, welcher in Zusammenarbeit mit dem Instrumentenbauer F.G.Uebel und später F.A.Uebel die Klarinette am Ende des 19. Jhd. optimierte und welche in seiner fast unveränderten Form und Technik bis Heute bestand hat. Bis dahin war das sogenannte deutsche System (Albertsystem) dem französischen System vor allem in grifftechnischer Hinsicht hoffnunglos unterlegen und das französische System (in Frankreich entwickelt) hatte die Welt bereits seit Jahrzehnten erobert. Diese Entwicklung ließ sich auch nicht mehr durch die Überarbeitung des deutschen Systems rückgängig machen und so fristet die deutsche Klarinette ein bescheidenes Dasein im Abseits der Klarinetten-Welt. Vor allem in Deutschland sowie hier und da in ein paar wenigen anderen eng angrenzenden Teilen mitteleuropäischer Ländern wird sie gespielt und ist sonst nur in wenigen Orchestern der Erde anzutreffen. Die meisten Klarinettisten auf der Welt werden wohl nicht einmal wissen das es neben dem französischem System noch ein weiteres anderes parrallel neben dem Ihren gibt. Es gibt jedoch in Asien, Afrika und Amerika durchaus noch begeisterte Musiker im Profi als auch Amateurbereich, welche das deutsche System spielen können und kleine Inseln dieses Instrumentes auf der Erde bilden. So ist mir auch bekannt das einige namhafte Klarinettisten in renomierten Orchestern über deutsche Kollegen die Instrumente kennen gelernt haben und zu bestimmten Konzerten mit deutschen Komponisten dieses System verwenden und mühevoll die so ungewohnte Grifftechnik erlernt haben. Es sind eben doch einige klangliche und intonatonische Unterschiede vorhanden welche sehr charackteristisch für die deutsche Klarinette sind und überzeugen können. Der Unterschied der Systeme ist bemerkenswert und es muss einen wundern, das diese zwei Klarinetten den selben Namen tragen. Sie unterscheiden sich in allem was ein Instrument ausmacht und man kann nicht einfach mal von der einen zur anderen wechseln. Angefangen von der Mensur des Korpus mit unterschiedlichen Konen in Obertsück und Unterstück sowie Grundbohrung, der unterschiedlichen Anordnung und auch Anzahl der Tonlöcher, über die völlig unterschiedliche Klappenmechanik bis hin zum Mundstück und sogar dem Blatt zum Anspielen, haben die beiden Instrumente eigentlich nur das Material gemeinsam. Die instrumente wurden auch jahrzehnte lang unterschiedlich gespielt und haben sich im Klang erst in den letzten 30 Jahren deutlich aufeinander zu bewegt. Die französiche Klarinette wurde auch im klassischen Bereich bis dahin gerne mit vibrato geblasen (ähnlich wie bei einer Oboe, einem Fagott oder einer Querflöte), was für unsere Ohren doch sehr gewöhnungsbedürftig ist. Die deutsche Klarinette bildet dagegen doch eine große Ausnahme unter den Orchester-Blasinstrumenten und der Ton soll gerade und eher wie ein Sinuston, also ohne jegliches Vibrato, klingen.  Alles ist ja bekanntlich Geschmackssache aber inzwischen sind sich die Klarinettisten in der Welt wohl näher gekommen und alle spielen in der Klassik fast generell ohne vibrato. Dafür hat sich der Klang der deutschen Klarinette auch geändert und ist Heute nicht mehr so eng und unflexibel wie noch bis etwa 1990. Dafür verantwortlich sind offenere Mundstückbahnen in Kombination mit leichteren Blättern. Früher wurden gerne Blattstärken von 4 auf engeren Mundstückbahnen geblasen und Heute eher die Stärke 2,5 auf dafür offeneren Bahnen gespielt. Eine offenere Bahn erlaubt ein größeres Tonvolumen, mehr Flexibilität, und die leichteren Blätter eine leichtere Ansprache und ein unglaublich sanftes Pianissimo. Es ist auch keine Seltenheit mehr auf einer deutschen Klarinette ein französisches Mundstück und ein französisch geschnittenes Blatt zu finden.-

Das verwendete Holz für Klarinetten war vor 100 Jahren noch meist Buchsbaum, ein gelbliiches hartes Holz welches in Europa zur Verfügung stand. Auf der Suche nach geeigneteren Holzarten und durch die Handelsbeziehungen in der Welt wurde schließlich das Hartholz für den Holblasinstrumentenbau entdeckt. Dieses kam aus Südamerika und Afrika und wird im deutschsprachigen Raum Granadill genannt, im englisch sprachigen Raum Blackwood und hat den lat. Namen Dalbergia Melanoxylon. Dieses Holz hat die größte Dichte unter allen Holzarten, ist das schwerste und geht im Wasser sofort unter wie ein Stück Eisen. Es ist durch die Festigkeit und die Dichte bestens geeignet die Mechanik zu tragen und hat gleichzeitig hervorragende Klangeigenschaften. Die Festigkeit ist bei der Vielzahl der Kugeln und Anzahl der Klappen notwendig und Instrumente aus diesem Holz sind bei guter Pflege auch nach 100 Jahren noch voll funktionstüchtig. Das Holz wird Heute ab der Fällung des Baumes sehr streng überwacht und die meisten Firmen sorgen im eigenen Interesse für eine Neuanpflanzung und somit Nachhaltigkeit für die kommenden Generationen. Das Holz wächst allerdings sehr langsam und in der Regel ist ein Baum etwa 150 Jahre alt bevor er überhaupt Verwendung im Instrumentenbau finden kann. Aus diesem Grund gibt es schon seit etwa 80 Jahren Versuche mit Kautschuk, synthetischen Kunststoffen, Metall, u.s.w. Jedoch ist in den meisten Fällen kein Material so geeignet wie Grenadill-Holz. -

Stellen Sie sich vor aus diesem Holz liegt ein Baumstamm vor Ihnen und daraus soll ein Klarinettenkorpus (alle 4, bzw. 5 Holzteile) entstehen. Dazu gehören Mundstück(welches Heute größtenteil aus Acryl oder Kautschuk besteht), Birnen, Oberstück, Unterstück und Becher. Der Stamm wird also in Längsstücke von ca 30 cm (je nachdem was daraus entstehen soll) gesägt und der Klotz dann wiederum in Kantelform von bestimmten Maßen gesägt oder gehauen. Diese Viereck-Kantel im Querschnitt von ca. 5 x 5 cm für das Oberstück, Untersück, Birnen und ggf. Mundstück sowie ca. 10 x 10 cm für den Becher, erhält nun eine Zentrierbohrung und muss dann zur weiteren Verarbeitung unter bestimmten klimatischen Voraussetzungen jahrelang lagern/reifen um spätere Rissbildungsgefahr zu minimieren. In dieser Grundform erhält der Klarinettenbauer die Hölzer für die spätere Klarinette zum Drechseln/Drehen. Die viereckigen Kanteln werden als erstes mit den sogenanten "Räumern" (lange Bohrstangen) aufgebohrt und erhalten dadurch schon annähernd Ihre spätere Grundbohrung, welche in etwa bei 19,80 mm liegt. Je nach Firma und Mensur der unterschiedlichen Systeme kann diese Bohrung um einige Zehntel abweichen. Erst jetzt kann die Form der einzelnen Teile auf der Drechselbank gedreht werden, indem die Kanteln auf einem Dorn zwischen Spindelestock (Backenfutter) und dem Reitstock/Spindelspitze gespannt werden. So bleibt das Holzstück beim Drechseln zentrisch und "eiert" nicht beim Überdrehen. Als erstes werden jetzt die Kanten verbrochen, dann das entgültige Klarinettenstück auf Länge sowie Durchmesser gedrechselt und die Zapfen (incl. Korkbett) bei Mundstück, Oberstück und Unterstück angedreht. Beim Becher gestaltet sich das drehen etwas schwieriger. Die Kantel erhält als erstes das sogenannte Herz(für die Zapfenaufnahme des Unterstückes), wird dann eingespannt und innen parabolisch ausgedreht. Danach erhält er erst seine äußere Form. Früher hatte jeder Becher auch am unteren Ende einen großen Metallring als stabilisierenden Faktor gegen Sturz und Beschädigung und natürlich war er auch ein optischer "Blickfang". Dieser wurde aus Draht auf Maß rund geschmiedet und auf dem äußeren Becherrand aufgesetzt, 3 mal vernietet und dann mit dem Holz zusammen überdreht. Das Holz wird in mehreren Stufen immer feiner gedrechselt, geschmirgelt, poliert und oftmals auch Heute noch schwarz gebeizt oder lackiert. Die Grundfarbe des Holzes ist zwar sehr dunkel aber in den seltensten Fällen gleichmäßig schwarz. Der Kontrast zwischen schwarzem Holz und silberfarbener Mechanik ist optisch einfach schön. Heute belassen viele Firmen im Namen des Umweltwschutzes das Holz in natureller Farbe und sparen damit Zeit sowie Geld bei der Herstellung, aber auf Kosten der Optik. Die kleineren Ringe welche auf Birne, Unterstück und Becher gesetzt werden, wurden in früherer Zeit tatsächlich ebenfalls noch aus Neusilberdraht geschmiedet und von Hand Form gedreht.-

Nachdem nun die Korpusteile Ihre entgültige Form erlangt haben werden alle Tonlöcher, Fräsungen, Kugellöcher, Griffbuckel, u.s.w. eingebohrt. Dies wird als anstechen  bezeichnet und in der sogenannten Anstechmaschine ausgeführt, welche ähnlich einer Bohrmaschine arbeitet. In dieser Maschine eingespannt, müssen bis zu 6 Maße eingestellt werden um die gewünschten Veränderungen vornehmen zu können. Dazu gehört die Länge(vom oberen oder unteren Ende des Stückes gemessen), der Kreisumfang/Radius, die Breite(für außer der Mitte auszuführende Bohrungen), die Höhe(für Federbahnen, die Griffbuckelhöhe und Zwirle wichtig), die Schräge(bei nicht genau senkrecht auszuführenden Bohrungen) und natürlich der Durchmesser eines Bohreres/Fräsers/Zwirlbohrers für das entsprechende Tonloch, bzw. dessen Zwirl. Nachdem alle Tonlöcher/Vertiefungen, u.s.w. gebohrt und gefräst sind werden in alle Kugel-und Halterlöcher die Gewinde für die spätere Aufnahme der Kugeln/Halter geschnitten, wobei darauf zu achten ist, das nicht die Holzwandung zur Innenbohrung durchstoßen wird, welche nur noch wenig mehr als 2 mm beträgt. Dabei ist auf genaues senkrechtes und gerades schneiden zu achten, damit später alle Kugeln genau senkrecht im Stück sitzen und nicht außer der Reihe stehen. Nun können alle Metallarbeiten beginnen, die ein Klarinettenbauer seit etwa 150 Jahren auch beherrschen muss. im Gegensatz zu Zeiten, aus welchem der Begriff wahrscheinlich noch stammt und Oboe, Dulcian, Blockflöte, Traversflöte und Chlalumeau/Klarinette noch keine vergleichbare Mechanik besaßen.-

Wie bereits erwähnt müssen alle Kugeln (in ca. 6 verschiedenen Größen/Formen) fest ins Holz eingeschraubt werden. Um die Klappen später anzubringen "anzusetzen" müssen zwischen den Kugeln Schrauben mit darauf laufenden Walzen oder Achsen  liegen, an denen später die Klappen angelötet werden. Dazu müssen alle Kugeln genau in der Mitte zunächst eine Grundbohrung von 1,7 mm erhalten. Dies geschah alle mit selber gefertigten langen Bohreren und freier Hand nach Augenmaß. Einige erhalten dann gleich ein 2 mm Gewinde und andere werden für die Aufnahme der 2 mm starken Drahtschrauben aufgebohrt welche durch die Walzen mit der Mechanik gesteckt und dadurch später fest geschraubt werden können. Alle Kugel zwischen denen Walzen/Achsen laufen werden auf dessen Durchmesser innenliegend abgefräst (Ca. 3,5 mm). Nun können alle Federlöcher (zwischen 0,55 und 0,85 mm) in die Kugeln unterhalb der Schraubenbohrungen gebohrt werden welche später eine Nadelfeder erhalten müssen. Diese Federn sind ja notwendig um beim Spielen später entsprechende Klappen öffnen oder schließen zu können. Wenn alle Kugeln sämtliche Bohrungen besitzen werden zwischen diesen die Walzen/Achsen eingepasst, sowie für jede Kugel und Walze die entsprechende Schraube angefertigt. Jedes einzelne Teil wird hierbei aus langen Stangen aus Neusilber-, bzw. Stahldraht passend angefertigt, Per Hand werden auch die Gewinde auf die Schrauben geschnitten und auf der gegenüberliegenden Seite der Schlitz für den Schraubenzieher eingesägt. Nach all diesen Arbeiten bginnt das Ansetzen, also die Anfertigung und Anbringung der gesamten Mechanik/Klappen am Instrument.-

Bis in die 1950-er Jahre war die Voraussetzung für den Klappenbau das eigenständige Schmieden der Klappen aus einfachen Metallstangen(Neusilber im Durchmesser zwischen 5mm und 7 mm). Diese Klappen, die jeder einzelne Ansetzer für sein zu fertigendes Instrument selber herstellen musste wurden dann bereits in den 50/60 er Jahren des vorigen Jahrhunderts an professionelle Klappenschmiede abgegeben, welche unglaublich genau arbeiten konnten und wirkliche Kunstschmiede waren. Bis Ende der 80 Jahre waren die Klappenschmiede für fast alle Holzblasinstrumentenbauer tätig. Egal ob Fagott, Querflöte, Oboe oder Klarinette. Erst der sehr verbesserte Schleuderguss oder das Stanzen(Kaltschmieden) verdrängten diesen Berufszweig für immer und Heute gibt es nur noch sehr wenige Instrumentenbauer welche in Handarbeit eine komplette Mechanik schmieden können. Beim Klappenbau muss auf viele Dinge und Zehntelgenaue Maße geachtet werden. Davon ist die gute Spielbarkeit des Instrumentes abhängig. Die Klappen müssen ergonomisch perfekt liegen, ein müheloses, chromatisches Spiel ermöglichen und dies kann man wahrlich nicht von jeder Heute hergestellten Klarinette behaupten. Jede einzele Klappe musste nach dem Schmieden formgefeilt(grob und fein) und in weiteren Arbeitsgängen(grob und fein schmirgeln, sowie polieren) endgefertigt und auf die entsprechende Walze/Achse gelötet werden. Viele Klappenteile bestehen aus mehreren einzelnen Komponenten, welche in Uhrmachermanie zusammen gefügt werden müssen(z.B. die Oehlermechanik aus 16 Teilen)).Auf viele Klappen müssen Stellschraubenhülsen, Deckel, Griffplatten, Federhaken oder Mitnehmer aufgesetzt werden und viele erhalten an der Unterseite eine Bohrung für die Schraube, welche eine Blattfeder befestigen wird. Nach der Anfertigung der gesamten Mechanik und dem versilbern werden alle Nadelfedern eingesetzt und alle Blattfedern aufgeschraubt. Nun können alle Klappen bekorkt und mit Polstern versehen werden. Das sogenannte "fertig machen" ist(vom Feinintonieren abgesehen) der letzte Schritt zur fertigen Klarinette, ist sozusagen der Schliff eines rohen Diamanten und war früher nur den erfahrensten Klarinettenbauern vorbehalten, welche auch immer gute Klarinettisten sein mussten. Sie wussten worauf noch zu achten ist und welcher Ton noch nachgestimmt, wo noch ein Klappengriff angepasst werden sollte. Jeder Instrumentenbauer musste in seiner Gesellenzeit nebenher das Instrument erlernen, welches er später bauen wollte und das halte ich auch Heute noch für unverzichtbar für die Herstellung.-

Ich werde noch viele Tätigkeiten und Beschreibungen in dem Text mit einem Link und Bildern versehen, um deutlicher die verschiedenen Arbeitsgänge darzustellen.

Ihr Klarinettenbaumeister Boris Schoenherr

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